Schluss mit Antisemiten und Monarchieromantik

Unsere Universität soll ein Ort der Vielfalt und Offenheit sein. Es soll ein Ort für gute Lehre und Forschung sein. Dazu gehört, sich selbst, das eigene Handeln und die eigene Geschichte zu reflektieren. Das kann nur ein ständiger Prozess sein, der Bestehendes hinterfragt. Dazu müssen auch Symbole sein, die nicht mehr zu dem passen, wie wir handeln. Unsere Universität ehrt mit ihrem Namen Eberhard im Barte und Karl Eugen, zwei Württembergische Herrscher und Rektoren unserer Universität.

„Schon im 15. Jahrhundert wurde Eberhard im Bart als außerordentlich antijudaistisch / antisemitisch wahrgenommen, Karl Eugen wurde bereits von Zeitgenossen für seine Söldner- und Finanzpolitik kritisiert. Heute muss in der Bewertung Eberhard im Barts dazu kommen, dass Antijudaismus und Antisemitismus nicht mehr ohne die Shoa betrachtet werden können und deshalb jederzeit eine absolute Null-Toleranz Politik dagegen herrschen muss. Die Monarchie, insbesondere in ihrer absolutistischen Form, die Karl Eugen als Vorzeigebeispiel verkörpert, kann in einer demokratischen Gesellschaft nicht als positiver Bezugspunkt fungieren.“ (Auszug aus dem Beschluss A-StuRa02_06072020 (ÄA))

Schon 1977 zum Universitätsjubiläum erklärten die Studierenden „500 Jahre sind genug“ und benannten ihre Universität kurzerhand nach Ernst Bloch, einem Philosophen, der mehrfach in seinem Leben Flüchtling war, um. Der Name war seit dem ein Symbol für vielfältigen Einsatz für eine demokratischere Universität.

Am Montag hat der Studierendenrat, unter anderem mit unseren Stimmen beschlossen, einen Prozess zu beginnen, um die Universität auch offiziell einen anderen Namen zu geben. Wir freuen uns sehr, dass die @vs_tuebingen ab jetzt für einen Prozess einstehen wird, gemeinschaftlich eine andere Bezeichnung für unsere Universität zu finden.

Danke an unsere Freund*innen der @blochuni, welche den kritischen Blick aufrecht erhalten haben, an die Fachschaften, die für diesen Antrag gestimmt haben und vor allem an unsere Freund*innen der @jusohsg_tuebingen, die aus der Debatte einen Antrag formuliert haben.

Siehe auch:
Beitrag des AK Presse- & Öffentlichkeitsarbeit des StuRa zum Beschluss (auch auf Facebook und Instagram)
Facebookbeitrag des Juso-HSG zu ihrem Antrag (Instagram)
StuRa-Seite zu der betreffenden Sitzung
StuRa-Seite zur vorangehenden Sitzung.*

* Der dortige Antrag der LHG „Kein Aktivismus auf Kosten der Kommilitonen“ sollte Studierende, die einen alternativen Namen für unsere Universität verwenden (z.B. Ernst-Bloch-Uni, der bereits seit 1977 durch den damaligen AStA und linke Gruppen verwendet wurde und wird, um sich von der wenig demokratischen, von u.a. Antisemitismus und Elitismus, geprägten Geschichte der Universität abzugrenzen) von Förderung und Kooperation ausschließen sowie die Exekutive anweisen, aktiv gegen solche Gruppen vorzugehen, weil solche Namen angeblich Verwechslungsgefahr böten. Als Beispiel wurde in der Debatte lediglich die FDP-Fraktion genannt, die auf einer Kurznachrichtenplattform versehentlich den Account @blochuni statt @uni_tue verlinkten. Die vom Antrag der LHG ausgelöste Debatte führte unter anderem zu Anträgen der Juso-HSG und von solid.SDS.

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