Lesung & Diskussion: Klima, Kolonialismus, Rassismus

Freitag, 11.06.2021, 19 Uhr, online: Klima, Kolonialismus, Rassismus
Autor*innen-Lesung und Diskussion zur Anfang 2021 erschienenen Broschüre

Rassismus war und ist die Grundlage für Kolonialismus und Neokolonialismus. Menschen aus dem Globalen Süden, mehrheitlich
BIPoC, leiden nicht nur überproportional an den Folgen der Klimakrise, sondern auch an denen von Ländern im globalen Norden zur Bekämpfung der Klimakrise eingesetzten Strategien.

Deshalb werden wir uns am Freitag, 11.6. um 19 Uhr, damit beschäftigen, welche Auswirkungen der Kolonialismus hatte bzw. auf unsere Gegenwart hat und inwiefern die Klimakrise auf (post)kolonialer Herrschaft beruht. Außerdem soll es um die Verschränkung von klimagerechten Kämpfen und antirassistischen Kämpfen gehen und darum, wie weiße Personen Teil dieses Kampfes sein können und müssen. Dazu wird unter anderem eine Aktivistin von United Colours of Change Heidelberg ihren Text, der Teil der Broschüre „Überall Klima, nirgendwo Gerechtigkeit“ ist, lesen. Danach wird wie immer Raum sein, um über die Texte und Themen gemeinsam zu diskutieren.

Wir freuen uns auf eine spannende Lesung und anschließende Diskussion! Wie immer um 19 Uhr auf BigBlueButton. Schreibt uns eine Mail an klimagerechtigkeit.broschuere[a]mtmedia.org oder DM für die Zugangsdaten.

Eine gemeinsame Veranstaltung von Fridays for future Tübingen und der Grünen Hochschulgruppe. Wir danken dem StuRa Tübingen für die Übernahme eines Teils der entstandenen Kosten.

Eure Lesehinweise

Während der Veranstaltung wurden einige Hinweise auf interessante Lektüre – zusätzlich zu denen, die bereits in der Broschüre vorhanden sind – gegeben, die wir gerne mit euch teilen wollen:

  • Ausstellung im Lindenmuseum Stuttgart: „Schwieriges Erbe“ über Württemberg im Kolonialismus – https://www.lindenmuseum.de/sehen/ausstellungen/schwieriges-erbe
  • Tokenism und Umgang mit Rassismus am Arbeitspaltz (Interview) – https://www.jetzt.de/politik/ueber-tokenism-und-den-umgang-mit-rassismus-am-arbeitsplatz
  • Postkoloniale Theorie -von Ina Kerner

  • Postkoloniale Theorie -von Maria do Mar Castro Varela and Nikita Dhawan

  • Plantation Memories -von Grada Kilomba

  • Colonialism/Postcolonialism -von Ania Loomba
  • Weiße Weiblichkeiten -von Annette Dietrich
  • Yorubas dont do Gender -von Oyewumi
  • Imperial Leather Anne McClintock
  • Farbe bekennen -von Katharina Oguntoye, May Ayim

  • Deutsch sein und Schwarz dazu -von Theodor Wonja Michael
  • Kinder der Befreiung -von Marion Kraft

Lesung & Diskussion: Zum Unterschied von Klimagerechtigkeit und Klimaschutz

Alle wollen Climate Justice, aber was ist mit Klimagerechtigkeit eigentlich gemeint? Wo liegt der Unterschied zu „Klimaschutz“? Und was ist eigentlich Intersektionalität?

Am Freitag, 26.03.2021, lesen Autorinnen Texte aus der aktuellen Broschüre Überall Klima, nirgendwo Gerechtigkeit?, die diese Fragen beantworten sollen und werden mit euch über ihr Verständnis von „Klimagerechtigkeit“ diskutieren.

Um 19 Uhr über BigBlueButton. Meldet euch für den Link gerne per DM an unseren Instagram-Account oder per Mail an klimagerechtigkeit.broschuere [a] mtmedia.org oder info [a] ghg-tuebingen.de


Weitere Lesungen in unserer Reihe:
09.04. Wirtschaft & Kimakrise
07.05. Militär & Klimakrise
11.06. Rassismus & Klimakrise


Danke an die Macher*innen der Broschüre und alle Autor*innen, die im Rahmen der Reihe ihre Texte lesen und diskutieren werden.
Ein Teil der Kosten der Veranstaltung werden durch den Studierendenrat Tübingen getragen. Danke dafür!

Kennenlern-Café & Dudle

Du hast Lust auf Hochschulpolitik, die alle einbezieht? Du möchtest dich für eine grünere Uni einsetzen? Du willst nicht nur meckern, sondern anpacken? Oder du willst einfach nur mal reinschnuppern? Dann kommt zum GHG-Treffen!

Am 2. November 2020 ab 16 Uhr treffen wir uns online mit Warmgetränk deiner Wahl (bitte selbst mitbringen) zu einem kleinen Kennenlern-Café und Treffen. Zugangsdaten erhältst du per Mail / Nachricht.

Es wird eine kurze Einführung in die Arbeit der GHG geben, ein kleinen Input einer unserer Aktivis und natürlich genug Raum für all eure Fragen. Außerdem werden wir gemeinsam mit euch die Termine und Themen fürs Wintersemester festlegen und ggf. über unsere Wahlliste für die kommende Uniwahl sprechen. Wenn ihr Lust habt: Unsere Termin-Dudle ist wie immer offen für alle: https://dudle.inf.tu-dresden.de/ghgtue/ (Wir werden uns 14-täglich treffen, im Dudle kannst Du für dich passende Wochentage und Uhrzeiten angeben.)

Schreib uns, falls du Lust hast (vllt) am Kennenlern-Café teilzunehmen oder eine Frage hast.

#bildungskrise

Unsere Aktivis haben sich auf Instagram an der Onlinedemo #bildungskrise von Lernfabriken meutern beteiligt. Wir dokumentieren hier die Texte und Bilder für alle, die nicht die Facebookfotoplattform nutzen.

Schild mit Aufschrift "Wie soll ich 'normal' weiterstudieren, wenn meine Kräfte gerade anderweitig eingefordert werden??"

Einigen Student*innen kann ein annähernd ‚normales‘ Semester Sicherheit und Stabilität geben. Für einige Student*innen bedeutet es allerdings eine zusätzliche Belastung: Nahestehende Personen physisch zu unterstützen kann zu einem geographische Dilemma führen. Eine psychische Unterstützung zehrt auch an Kräften und Nerven. In einer solchen Situation kann kaum an ein weiteres ‚normales‘ Semester gedacht werden. Deshalb muss jede*r Student*in das Semester so gestalten können, wie es ihr*ihm möglich ist – ohne sich vor irgendwelchen Konsequenzen fürchten zu müssen.


Schild mit Aufschrift: "Ich kann mir keine Verzögerung leisten. Das ist existenzgefährdend."

Viele Student*innen sind durch diverse Regelungen (Regelstudienzeit, zeitlich begrenzte Förderungen, …) dazu gezwungen, ihr Studium in Rekordzeit zu absolvieren. Ein Semester, das zwar ‚anders’ ablaufen soll, für das es allerdings keine expliziten offiziellen Regelungen gibt, kann erdrückend wirken: Student*innen befinden sich in der Schwebe, wissen nicht, mit was sie rechnen können/müssen. Dabei wollen und müssen sie ihren Lebensunterhalt abgesichert wissen. Auch um rechtzeitig eventuelle Maßnahmen ergreifen zu können.


"Kein Job. Kein Bafög. - Soll ich jetzt meine Scheine essen?"

Ob Kellner*innen, Aushilfen oder freiberufliches Arbeiten: Die Corona-Pandemie frisst momentan einige Arbeitsplätze auf. Stellen, mit denen sich Student*innen finanziell absichern konnten. Eine weitere Einnahmequelle stellt das Bafög dar. Die Zahlungen sollen zwar auch im Sommersemester weitergeführt werden, doch die Sachbearbeiter*innen haben nach wie vor mit Anträge aus dem vergangenen Jahr zu kämpfen. So entstehen unglaublich lange Bearbeitungszeiten. Student*innen, die im jetzigen Augenblick also von Nebenjobs und Bafög abhängig sind, stehen (vorerst) mit leeren Taschen da. Diese Student*innen sind momentan auf sich alleine gestellt und benötigen schnell Alternativen, um sich wirtschaftlich abgesichert zu wissen.


"Wir sollten gerade andere Probleme haben dürfen als Prüfungsfristen und Regelstudienzeit."

Viele Regelungen sind dazu gedacht, Student*innen zu schützen und nicht einzuschränken. So sollen beispielsweise Fristen davor bewahren, dass ein Studium unübersichtlich, schwer zu fassen und unmöglich zu leisten ist. Die Regelstudienzeit ist aber längst nicht die Regel und nur ein Bruchteil der Student*innen schafft es, innerhalb der Fristen das Studium zu beenden. Gerade jetzt, da viele Studierende solidarisch z.B. Nachbar*innen helfen, in Krankenhäusern Hilfe leisten, bei ihrer Familie gebraucht werden oder akute finanzielle Not leiden, ist ein Festhalten an diesen Fristen grundfalsch.
Sie müssen nun gelockert bzw. ausgesetzt werden, damit zumindest ein erdrückendes Element wegfällt.


"Kann ich die Kosten für 'Digitale Lehre' vom Semesterbeitrag absetzen?"

Wenn ein Semester in den digitalen Raum verlagert wird, muss auch allen Student*innen ein Zugang dazu möglich sein. Doch nicht jede*r Student*in besitzt eine geräuschlose Umgebung, Kamera und/oder Headset. Besonders technisches Equipment muss erst einmal beschaffen werden – was dadurch beschwert wird, dass sich Universitäten teilweise Zeit damit lassen, eine Entscheidung zu fällen. Studierende stehen nun vor ausverkauften (digitalen) Regalen, da Kameras & Co. bereits vergriffen sind und Lieferzeiten bisweilen in den Sommer hinein reichen. Ganz zu Schweigen von dem finanziellen Budget, das erst einmal vorhanden sein muss.
Einzelne Institute (und teilweise auch Fakultäten) haben schnell gehandelt, zeigen Solidarität und bemühen sich aktiv darum, jeder studierenden Person einen Zugang zu ermöglichen. Nun müssen auch weitere Fakultäten und Universität mitziehen. Kein*e Student*in darf ausgeschlossen werden.


"Kein Ausverkauf der Studierendenwerke! Solidarität ermöglichen!"

Studierendenwerke sollen der Selbsthilfe der Student*innen dienen: günstig gutes Essen bereitstellen, bezahlbaren Wohnraum schaffen und weiter im Unialltag helfen. Wenn diese aber durch die Coronakrise in finanzielle Schieflage geraten, ihre Mitarbeiter*innen entlassen oder aus Angst davor unsolidarisch mit ihren Student*innen umgehen – bspw. keinen Rücktritt vom Mietvertrag für Internationals erlauben – trifft die #bildungskrise sowohl die Lernenden als auch deren Institutionen. In einem Digitalsemester braucht es keine Mensa. Damit wir danach aber noch eine haben, müssen wir jetzt auch vom Land und den Studiwerken Hilfe und Solidarität einfordern. Wir sind zusammen in dieser Krise.


"Wie funktioniert Mitbestimmung, wenn man uns einfach stumm schalten kann?"

Wir Student*innen müssen auch in dieser Krise angehört und ernst genommen werden. Wir benötigen einen offenen Diskurs und Entscheidungen, bei denen Student*innen mitgedacht werden. Also bindet uns in den Diskurs mit ein und wagt den Austausch!


Die Bilder und Texte wurden in keiner GHG-Sitzung beschlossen und spiegeln daher nur die Meinung der jeweiligen Aktivis wider, nicht zwingend die der gesamten GHG.

Stellungnahme der Tübinger Hochschulgruppen zur sogenannten „Bayreuther Erklärung“

In einer „Bayreuther Erklärung“ nahmen die Kanzlerinnen und Kanzler der deutschen Universitäten unlängst Stellung zur weitverbreiteten Befristungspraxis im Hochschulbereich. Dort sind im sogenannten „akademischen Mittelbau“ nach wie vor über 80% der Beschäftigten befristet angestellt, und von diesen hat etwa die Hälfte einen Vertrag mit einer Laufzeit von nur einem Jahr oder noch kürzer. Alle Versuche, dies in den letzten Jahren durch politischen Druck zu verändern, waren bisher ergebnislos.
Nun verteidigen die Uni-Kanzlerinnen und -Kanzler die bestehenden Zustände. Auf ihrer letzten Jahrestagung, die im September 2019 an der Universität Bayreuth stattfand, wurde ein Papier verabschiedet, das auf die besondere Rolle der Universitäten als „Qualifizierungssystem“ hinweist und dies als Rechtfertigung für befristete Beschäftigung versteht.

Wörtlich heißt es darin: „Universitäten leisten mit der akademischen Qualifizierung dringend benötigter Fachkräfte einen wichtigen Beitrag (…). Das Modell befristeter Qualifizierungsphasen in den unterschiedlichen Bildungsformaten der Universitäten ist eine unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass dieses gesellschaftliche Ziel weiterhin erreicht werden kann. (…) Der Aufgabenstellung der Universitäten folgend, ist es notwendig, dass die Zahl ihrer befristeten Beschäftigungsverhältnisse für wissenschaftliches Personal überwiegt.“

Wir weisen diese Sicht der Dinge mit Entschiedenheit zurück! Die Begründung für die Aufrechterhaltung prekärer Befristungsverhältnisse an deutschen Universitäten geht am Kern des Problems und an der Arbeitsrealität eines Großteils der Mittelbaulerinnen und Mittelbauler vorbei!

Natürlich ist es sinnvoll, Qualifikationsstellen zu befristen. Es hat in der Vergangenheit auch noch nie jemand die Entfristung von tausenden Doktorandinnen und Doktoranden gefordert. Und auch drittmittelfinanzierte Projektstellen lassen sich nicht ohne Weiteres entfristen. Es ist aber keineswegs logisch, dass der Qualifizierungsauftrag der Hochschulen zu Befristungsquoten von über 80% führt. Einen Qualifizierungsauftrag haben Hochschulen zunächst und vor allem gegenüber ihren Studierenden, und viele der Aufgaben in Forschung und Lehre, die von befristet Beschäftigten (z.B. befristeten Lehrdozenturen oder befristeten akademischen Ratsstellen) in diesem Zusammenhang übernommen werden, sind eindeutig Daueraufgaben, die durch dauerhafte Beschäftigung erfüllt werden können und sollen!

Es ist zudem unzumutbar, dass eine große Mehrheit der Postdocs gezwungen ist, sich jahrelang von Zeitvertrag zu Zeitvertrag zu hangeln. Viele wissen erst mit 40, ob aus der Unikarriere etwas wird oder nicht. Dabei erfüllen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Postdoc-Bereich elementare Aufgaben des Universitätsbetriebs. Regelmäßig übernehmen sie Personalverantwortung und betreuen Abschlussarbeiten. Es kann aus sachlichen Gründen einfach nicht angehen, sie mit Promovierenden in einen Topf zu werfen! Zurecht fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schon seit 2010 verlässliche Perspektiven im Postdoc-Bereich, und erst vor kurzem hat sich gegen den Befristungswahn an den deutschen Hochschulen die bundesweite Initiative „Frist ist Frust“ gegründet, an der sich neben den Einzelgewerkschaften GEW und ver.di und dem DGB zahlreiche weitere Gruppen beteiligen, so etwa das N2 – Network of Doctoral Researcher Networks, der Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi) sowie der freie zusammenschluss der studierendenschaften (fzs e.V.).

Weil unter prekären Bedingungen keine gute Forschung und Lehre stattfinden können, u.a. weil erworbene Kompetenzen mit dem erzwungenen Weggang des Personals verloren gehen und keine langfristige Planung in der Lehre möglich ist, liegt eine Behebung der Befristungsmisere nämlich auch im Interesse der Studierenden und letztlich der gesamten Universität.

Wir rufen die Tübinger Universitätsleitung daher auf, sich von der Bayreuther Erklärung eindeutig zu distanzieren und sich für mehr Dauerbeschäftigung im Hochschulwesen einzusetzen.