Nachbericht zum CSD Tübingen 2022

Keine Party, sondern ein politischer Protest. Das war der Tübinger Christopher Street Day, der in seiner Neuauflage nun zum zweiten Mal veranstaltet wurde. Als Grüne Hochschulgruppe setzen wir uns für eine queerfeministische Universität ein und wollten deshalb auch beim CSD teilnehmen. 

Bei den CSD- bzw. Gaypride-Paraden wird traditionell an die Kämpfe von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*-Personen, Inter* und Queeren erinnert.  Insbesondere  die Stonewall Riots 1969, bei denen sich Dragqueens und Trans*Personen gegen Polizeiwillkür und rassistische und queerfeindliche Kontrollen wehrten, sind ein wichtiger Bezugspunkt. 
Der Tübinger CSD war natürlich deutlich entspannter. Rechte Gegenproteste wie im vergangen Jahr blieben aus. Während der Demo gab es allerdings das Gerücht, es sei ein Rechtsextremer dabei beobachtet worden, wie er Demoteilnehmer*innen mit einer Teleobjektiv-Kamera ablichtet.

Viele Besucher*innen begnügten sich mit Musik und Fahnen die Straßen einzunehmen. Neben explizit LGBTQ*-Gruppen wie Here&Queer+ waren auch Fridays for future, die Tierschützer*innen von Peta II, Jugendverbände von politischen Parteien (SPD, Grüne und FDP – letztere wie auf Twitter kritisiert wurde völlig entpolitisiert), Vertreter*innen queerer Gruppen in den Kirchen und – nun – wir dabei.  Unsere Versuche, Sprechchöre zu etablieren – etwa  „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Rechte klaut“ oder „Ob flauschig oder militant, wichtig bleibt der Widerstand“ – blieben leider erfolglos, was uns natürlich nicht abhielt, dennoch laut zu sein. Eine politische LGBTIQ*-Szene, als deren Teil wir uns sehen, ist weiterhin wichtig: Reaktionäre Kräfte nicht nur in den USA versuchen uns erfolgreich errungene Rechte wegzunehmen. Angefangen bei aktiver Diskriminierung von Trans*-Personen (z.B. durch „Bathroom Bills“), Anpassungen der Lehrpläne und das Ende des Rechts auf sichere Abtreibung. Als nächstes dürften  gleichgeschlechtliche Ehe und freier Zugang zu Verhütungsmittel fallen. Schon jetzt ist in vielen Staaten – auch bei uns – eine altersangemessene sexuelle Aufklärung nur schwer möglich, weil es immer wieder zu Übergriffen kommt. Die Veranstalter*innen der Demo verwiesen auch auf reaktionäre Kräfte in Tübingen, wie der „offen queerphoben“ Freikirche TOS, die sich beim Stadtfest als Teil der Stadtgesellschaft präsentieren kann. 

Dies sollte uns aber keine Angst bereiten, sondern Mut machen. Unsere stärkste Waffe bleibt die Solidarität. Mit Plakaten versuchten wir auf die Gefahr der Entpolitisierung und Vereinnahmung der queeren Szene einzugehen. „Pride not profit“ und „Queer Liberation No Rainbow Capitalism“ stand dementsprechend auf unseren Schildern. Auch an besonders von Gewalt betroffene LGBTIQ*-Personen wie Gefangene erinnerten wir. 

Auch an unserer Universität gibt es Gruppen und Professor*innen, die selbst solche Kleinigkeiten wie das sprachliche Einbeziehen aller Geschlechter durch Gendern bekämpfen – teils mit wirrem Bezug auf angebliche „akademische Freiheit“. Es gibt aber keine Freiheit zur Diskriminierung, Ausbeutung und Unterdrückung. 

Der Kampf geht weiter: Hoch die intersektionale Solidarität!

Anfrage (2022-06-14)

Auf Anfrage eines Arbeitskreis des Studierendenrats beantworteten wir die unten stehenden Fragen. Folgende Antworten haben wir nach gemeinsamen Schreiben in einem Pad und Diskussion in der Sitzung an das Medium gesendet. Sie wurden in unserer Sitzung vom 22. Juni 2022 abgestimmt. Sie sind hier für unser Archiv dokumentiert.

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Anfrage (2022-06-15)

Auf Anfrage eines studentischen Mediums beantworteten wir die unten stehenden Fragen. Folgende Antworten haben wir nach gemeinsamen Schreiben in einem Pad und Diskussion in der Sitzung an das Medium gesendet. Sie wurden in unserer Sitzung vom 22. Juni 2022 abgestimmt. Sie sind hier für unser Archiv dokumentiert.

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Anfrage (2021-06-24)

Auf Anfrage eines studentischen Mediums beantworteten wir die unten stehenden Fragen. Diese wurden am Donnerstag an uns gesendet. Folgende Antworten haben wir nach gemeinsamen Schreiben in einem Pad an das Medium gesendet. Da die Antworten in keiner unserer Sitzungen abgestimmt, sondern nur unter Beteiligung von Aktivis aus unserer Gruppe geschrieben wurden, sind sie hier als #meinung gekennzeichnet.

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Lesung & Diskussion: Klima, Krise, Kapitalismus

Freitag, 9.4.2021, 19 Uhr, online: Klima, Krise, Kapitalismus
Autor*innen-Lesung und Diskussion zur Anfang 2021 erschienenen Broschüre

„System Change not Climate Change!“ – Aber was ist eigentlich dieses System, das einen Change braucht?

Am Freitag, 9.4., wollen wir uns damit beschäftigen, ob und wie Kapitalismus und die Klimakrise einen Zusammenhang haben. Außerdem liest das OTFR ihren Text zu: „Klimakrise und Faschismus: Die gemeinsame Ursache heißt Kapitalismus“. Wir fragen uns also auch, ob der Kapitalismus auch ursächlich für andere Probleme abseits der Klimakrise sein kann. Abschließend hören wir von cradle2cradle, warum sie Kreislaufwirtschaft für eine Lösung der Systemfrage halten.

Wir freuen uns auf eine spannende Lesung und anschließende Diskussion! Wie immer um 19 Uhr auf BigBlueButton. Schreibt uns eine Mail oder DM für die Zugangsdaten.

Die @vs_tuebingen übernimmt einen Teil der anfallenden Kosten. Danke an @ueberallklima_broschuere für die wunderbare Zusammenarbeit. 💚

Vortrag: Wurzelrassen und Karma – kritische Einführung in die Welt der Anthroposophie

Wann? Do. 11.03. 19:00 Uhr
Wo? Online, Link unten
Wer? Peter Bierl

Hautcreme für Babypopos von Weleda, biologisch-dynamische Karotten der Marke Demeter, und die Waldorfschule basieren auf der Anthroposophie. Derer Gründen präsentierte sich als Hellseher und wurde von Anhängern als „Menschheitsführer“ und Wiedergeburt von Aristoteles verehrt. Rudolf Steiner war überzeugt, dass nur die „weiße Rasse“ am Geiste schafft, während Schwarze überhitzte Triebwesen seien und Juden zersetzend wirkten. In der Welt der Anthroposophen spuken Engel und Dämonen, Volks- und Rassengeister, finden sich Versatzstücke aus Buddhismus, Hinduismus und Christentum vermischt mit Darwinismus und Kulturpessimismus.

Anthroposophen erklärten die Reaktorkatastrophe in Fukushima als karmischen Ausgleich. Zur Corona-Pandemie schreibt Christoph Hueck: „Wenn ich sterbe, werde ich viel bewusster und freier werden.“ Die Qualen der Opfer werden spirituell veredelt „Aus anthroposophischer Sicht kann Leiden als ein tiefer karmischer Entwicklungsimpuls verstanden werden.“ Auch die Waldorfpädagogik basiert auf der Vorstellung von Reinkarnation und Karma. Waldorflehrer werden nach den Ideen Steiners ausgebildet. In einem Buch, das zur Unterrichtsvorbereitung empfohlen wurde, heißt es: „Der Keim zum Genie ist der arischen Rasse bereits in ihre atlantische Wiege gelegt worden.“

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Wahlkrampf & Meinungen (Presseanfrage 19-01-2021)

In diesem Beitrag veröffentlichen wir wie immer an uns gestellten Presseanfrage und was wir darauf geantwortet haben. Die Antwort wurde auf keiner Sitzung beschlossen und spiegelt deshalb die Vielfalt in der GHG, nicht unbedingt aber die Gruppe wieder. Identifizierende Merkmale wie Namen haben wir wie immer rausgeschnitten.

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Lesung zu Klimagerechtigkeit

Anfang dieses Jahres veröffentlicht Fridays for Future Tübingen zusammen mit weiteren (studentischen) Gruppen eine umfangreiche Broschüre zu den verschiedenen Dimensionen der Klimakrise. Unter dem Titel „Überall Klima, nirgendwo Gerechtigkeit?“ versammelt das Heft auf rund 80 Seiten nicht nur vielfältige Blickwinkel aufs Thema und Anknüpfungspunkte verschiedener sozialer Kämpfe. Es sammelt auch solidarische Alternativen zum Endzeit-Kapitalismus. 

Am Freitag, 22.01. ab 19 Uhr, laden wir zur Lesung aus der noch unveröffentlichten Broschüre. Beteiligte des Projekts werden Textauszüge zur Intersektionalität von Klimagerechtigkeit lesen. Wie hängen Faschismus und Klimakrise zusammen? Tragen unsere Klimaschutzmaßnahmen und -nichtmaßnahmen zu rassistischerUnterdrückung bei? Wie geht man kritisch mit dem eigenen Weißsein um?

Interesse? Dann schreibt uns eine Mail an info@ghg-tuebingen.de für die Zugangsdaten (Bigbluebutton). Die Lesung wird gemeinsam von Fridays for Future Tübingen und der Grünen Hochschulgruppe angeboten. Eine Erstattung angefallener Kosten ist beim Studierendenrat angefragt.

Schlaflos, Jahresrückblick 2020

Nach 2018 und 2019 gib es auch 2020 einen Jahresrückblick…


„Außer Corona war doch dieses Jahr nicht viel.“  lächelt mich mein Gegenüber per Videochat an. 
„Klar, wir haben für ein Solidarsemester gestritten und gegen die Bildungskrise protestiert. Es gab für die tausenden Studis, die plötzlich ohne Einkommen da standen, eine ‚großzügige‘ Überbrückungshilfe von bis zu 500 Euro. Das war weniger ein Hilfeangebot als ein Mittelfinger. Und die Uni entschied sich spontan und ohne richtigen Plan im Sommer und im Winter gegen Präsenzunterricht. Hätten die Lehrenden und Studierenden hier nicht übermäßig sich eingebracht wäre das ganze einfach gescheitert. Und….“ 

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